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Über Klischees und die Entwicklung der Schweizer Volksmusikszene

„Ah, du spielst Schwyzerörgeli? 

Nicht so mein Geschmack. Ich höre keine Festzelt Schaukelmusik.“

„Geht mir genau so“, antworte ich.

Wie gewohnt schauen mich erstaunte Augen an. Ein Widerspruch? Nein!

Dominic Kallen

Zugegeben, Schlagwörter wie „Volksmusik“ „Stubete“ oder „Örgeli“ verbindet der Durchschnittsbürger oft mit Konservativismus, oder der Ausdruck wird belächelt. Warum ist das so?

Die Medienbranche präsentiert seit Jahren vorwiegend einen kleinen Teilbereich der Volksmusik, ich nenne sie mal „Schaukelmusik“. Diese ist kommerziell attraktiv und kann durch aufgepushte Shows dem Massenpublikum gut zugänglich gemacht werden. Simple Melodien sind hörgefällig und sprechen somit ein breiteres Segment an.
Dadurch rückt aber die Tradition in ein etwas­­
falsches Licht. Es ist verständlich, dass im ­Bezug auf Volksmusik viele Klischees ­existieren, die mit einem Stigma behaftet sind. Dabei gibt es auch technisch sehr anspruchsvolle Volksmusik. Alleine der Fakt, dass man Volksmusik in der Schweiz studieren kann, sollte Aussagen wie: „Das ist nur ­Hudigäggeler-Musik“ eigentlich entkräften.

Aber item, Volksmusik geht eben auch anders. In den letzten Jahrzehnten wurde sie durch diverse Musiker und Formationen ausgeweitet und neue Stilrichtungen fliessen mit ein. Auch wenn sich die Volksmusik zwar schon immer entwickelt hat, hätte sich früher kaum jemand gewagt ein Örgeli beispielsweise mit einem Schlagzeug zu kombinieren. Heute gibt es das.

Teils stösst dies auf Begeisterung, teils aber auch auf Kritik von Traditionalisten. Ich verstehe den Aspekt, da aus meiner Sicht die Wurzeln einer Tradition niemals sterben sollten. Aber sollte sich eine Tradition nicht auch entwickeln dürfen oder muss sie das sogar, wenn sie lebendig bleiben will? Kann es bereichernd sein, wenn eine Musik nicht strickt einem einzelnen Genre zugeordnet werden kann, sondern Verschiedenes einfliessen lässt?

Und wenn man annimmt, dass Tradition Kunst beinhaltet, zählt dann eine Entwicklung nicht auch zur Kunstfreiheit?

So oder so, die Schweizer Volksmusik ist von Vorurteilen geprägt. Ich hoffe, das Item Magazin kann aufzeigen, wie vielfältig die Szene ist und kann Klischees minimieren.

– Ein Text von Dominic Kallen für die #ItemKolumne

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Apparently we had reached a great height in the atmosphere, for the sky was a dead black, and the stars had ceased to twinkle.